WIE DIE TRAINER DER REGION AUF DAS WINTERWETTER REAGIEREN

Der Winter hält Südniedersachsen fest im Griff – und mit ihm die Ungewissheit auf den Sportplätzen der Region. Wieder einmal fallen Testspiele aus, wieder einmal müssen Trainer und Spieler improvisieren. Doch zwischen Frust, Kreativität und Pragmatismus zeigt sich: Die höherklassigen Teams der Region lassen sich nicht ausbremsen, sondern suchen ihren eigenen Weg durch die kalte Jahreszeit.

Bei der SVG Göttingen greift der scheidende Landesliga-Trainer Nils Reutter vor allem auf Hallen- und Alternativangebote zurück. Viele Einheiten fänden im FIZ statt, was er ausdrücklich der Unterstützung von Paul Götze und Stefan Meyer zuschreibt. Ergänzend werde auf Kleinfeldanlagen ausgewichen. Gleichzeitig halte sich der Blick über die Landesgrenzen hinaus offen, da in Thüringen und Sachsen-Anhalt bereits geräumte Plätze Hoffnung auf Spielpraxis böten.

Ähnlich pragmatisch beschreibt Marc Zimmermann die Situation beim SCW Göttingen. Der Bezirksliga-Trainer setzt auf das Ballhaus in Reinhausen und den IFL. Dort könne fußballspezifisch in kleinen Feldern trainiert werden, was aus seiner Sicht eine tragfähige Alternative zum Platz darstelle.

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Beim RSV Geismar spricht Lasse Ahl offen von suboptimalen Bedingungen. Umso wichtiger seien individuelle Laufpläne, die gezielt auf die fußballerische Belastung abgestimmt seien. Hinzu kämen Einheiten auf Kleinfeldanlagen des Hochschulsports sowie funktionelle Trainingsformen im FIZ. Entscheidend sei dabei die Eigenmotivation der Spieler, die aus seiner Sicht gegeben sei.

Ein Ausweichen auf fremden Boden gelingt dem SC Hainberg. Timm Wünsch berichtet, dass sein Team am Wochenende in Kassel gegen die zweite Mannschaft des KSV Hessen Kassel antrete. Darüber hinaus hielten Laufpläne und gemeinsame Teamaktivitäten die Mannschaft körperlich und mental in Bewegung.

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Sehr strukturiert schildert Yannick Broscheit die Vorgehensweise beim Bovender SV. Der Fokus liege klar auf Belastungsersatz im Fitnessstudio. Gearbeitet werde an Grundlagenausdauer, Kraftausdauer, verletzungspräventiven Inhalten sowie funktionellem Krafttraining mit Schwerpunkt auf der Rumpfstabilität. Alle Einheiten fänden im FIZ Göttingen in enger Zusammenarbeit mit Stefan Meyer statt. Geplant und geleitet würden die Trainingseinheiten von Clara Przyludzki. Broscheit hebt die hohe Qualität, Struktur und Steuerbarkeit der Intensitäten hervor. Mit vier bis fünf Einheiten pro Woche und konstant 20 bis 25 Spielern pro Einheit sehe er sein Team körperlich gut vorbereitet, trotz fehlender Spiele.

Deutlich nachdenklicher klingt Jozo Brinkwerth vom 1. SC Göttingen 05. Die Trainingsmöglichkeiten beschreibt er als sehr bescheiden, eine Wetterbesserung sei nicht in Sicht. Wichtig sei neben der Belastungssteuerung vor allem die Abwechslung für den Kopf. Kraftzirkel bei ASC Performance, Halleneinheiten in Reinhausen und individuelle Pläne für zu Hause bildeten aktuell den Rahmen. Rückmeldungen der Spieler spielten dabei eine zentrale Rolle. Brinkwerth spricht von einem notwendigen Mix aus individuellen und gemeinsamen Formen und betont, dass Jammern nicht weiterhelfe, da viele Mannschaften vor denselben Problemen stünden.

Auch Björn Nolte von der SG Niedernjesa setzt auf Vielseitigkeit. Ein Teil des Trainings werde ins Fitnessstudio verlagert, mit gezielter Arbeit an Kraft, Stabilität und Athletik. Intensive Belastungsformen wie Intervalltraining deckten konditionelle Inhalte ab. Wenn möglich, nutze das Team die Umgebung rund um Niedernjesa für Laufeinheiten, während fußballspezifische Inhalte im Ballhaus stattfänden, damit der Ball nicht vollständig aus dem Alltag verschwinde.

Bei der SG Lenglern beschreibt Timo Friedrichs die Lage als schwierig, aber vergleichbar für alle. Ziel sei es, mit den vorhandenen Optionen Kondition und Kraft zu erhalten und nicht in Stillstand zu geraten. Eine mögliche Testspieloption in Duderstadt stehe noch im Raum. Die Situation sei unbefriedigend, doch der Blick gehe nach vorn: Wenn die Plätze wieder freigegeben würden, solle keine Zeit mehr verloren gehen, sondern direkt fußballerisch gearbeitet werden.

Ärgerlich und unverständlich ist die Sperrung der Plätze bis zum Ende der Woche in den Augen von Mario Kovacevic vom Bezirksligisten SV Groß Ellershausen/Hetjershausen, wegen der zu erwartenden Temperaturerhöhung. Bisher hat er mit einigen Kraft-Ausdauer-Einheiten auf die aktuelle Lage reagiert. Besonders Indoor-Cycling präferiert er. Allerdings finden sich bei den Anbietern kaum noch Zeitfenster. Eine Übersicht über die Göttinger Möglichkeiten hielte er für sinnvoll. Frühzeitig sollte sich der Verband mit den Gedanken über eine eventuelle Verschiebung des Starts des Spielbetriebes befassen. Denn eine zu kurze Vorbereitung könnte Folgen auch für die Gesundheit der Spieler haben.

Am drastischsten fällt das Urteil von Esmir Muratovic von Sparta Göttingen aus. Er bezeichnet die Situation als Katastrophe und spricht von einer Erfahrung, die er so in seiner Trainerlaufbahn noch nicht erlebt habe. Um die Zeit zu überbrücken, setze sein Team auf Läufe und Besuche im Kraftraum.

So unterschiedlich die Ansätze auch sind, eines verbindet alle Stimmen aus Südniedersachsen: Der Winter fordert Geduld, Einfallsreichtum und Zusammenhalt. Der Fußball ruht, aber die Arbeit geht weiter – leise, beharrlich und mit dem festen Willen, bereit zu sein, wenn der Ball endlich wieder rollt.

Titelfoto: K-Igeneriert

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