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INTERVIEW MIT MARCEL RIETHIG UND DANIEL QUADE VOR DER KOMMUNALWAHL AM KOMMENDEN SONNTAG
Titelfoto: Marcel Riethig (2. vr.) und Daniel Quade (2. vl.) im Kreise von Mirko Slomka, Prof. Dr. Metin Tolan und Lea Wiemers auf einer Podiumsdiskussion über den Fußball am 31. August in Dransfeld. Foto: Bernard Marks
Am kommenden Sonntag, 13. September, stehen in Niedersachsen die Kommunalwahlen an. Auch in Südniedersachsen treten zahlreiche Kandidaten für politische Verantwortung in ihren Kommunen und Landkreisen an. Marcel Riethig kandidiert als parteiloser Bewerber erneut für das Amt des Landrats im Landkreis Göttingen. Auch Daniel Quade bewirbt sich als parteiloser Kandidat um die Wiederwahl zum Bürgermeister in Bad Sachsa.
Beide verbindet neben ihrer politischen Tätigkeit eine enge Beziehung zum Fußball. Marcel Riethig, Jahrgang 1982, ist unter anderem Schirmherr des REWE Junior Cups, der als Europas größtes A-Jugend-Hallenturnier in der Göttinger Lokhalle ausgetragen wird. Zudem unterstützt er das Schiedsrichter-Projekt des RSV Geismar, das von Torsten Baehnisch betreut wird und junge Schiedsrichter gewinnt, ausbildet und begleitet.
Auch Daniel Quade ist seit vielen Jahren im Fußball aktiv. Der 41-Jährige wuchs in Steina, einem Ortsteil von Bad Sachsa, auf und ist seit November 2020 Bürgermeister der Stadt. Seine Verbindung zum Fußball reicht bis in seine Jugend zurück. Bereits im Alter von 15 Jahren begann er als Kinder- und Jugendtrainer beim VfB Südharz. Für dieses Engagement erhielt er inzwischen die Goldene Ehrennadel des Niedersächsischen Fußballverbandes. Zwischenzeitlich war Daniel Quade zudem mehrere Jahre Jugendleiter. Seit 2022 gehört er als Spieler der Deutschen Nationalmannschaft der Bürgermeister an und hat inzwischen fast 30 Länderspiele bestritten.
Für Gökick ist das Anlass, genauer hinzusehen: Welche Bedeutung hat der Sport für die Kommunalpolitik? Welche Rolle spielen Vereine, Nachwuchsarbeit und Ehrenamt? Und welche Vorstellungen haben Marcel Riethig und Daniel Quade von der Zukunft des Sports in Südniedersachsen?
Über diese Themen sowie über persönliche Erfahrungen rund um den Sport sprach Gökick mit den beiden parteilosen Kandidaten im folgenden Interview.
1. Persönlicher Zugang zum Sport
Gökick: Welche persönliche Rolle spielt Sport in Ihrem Leben – und hat sich diese im Laufe Ihrer politischen Laufbahn verändert?
Marcel Riethig: „Mich hat sowohl der Mannschaftssport Handball als auch die ehrenamtliche Arbeit im Sportverein geformt. Wie viel sich mit Teamgeist erreichen lässt, ist mir dabei bewusst geworden und was Verantwortung bedeutet. Sport ist weit mehr als Freizeitbeschäftigung, er prägt Persönlichkeiten.“
Daniel Quade: „Sport ist seit meiner Kindheit ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Was sich verändert hat, ist lediglich die Zeit, die mir dafür zur Verfügung steht. Durch mein Bürgermeisteramt ist sie leider deutlich weniger geworden. Trotzdem gehört Sport für mich nach wie vor ganz selbstverständlich zum Leben dazu.“
Gökick: Welche Sportart verfolgen oder betreiben Sie besonders gerne?
Marcel Riethig: „Ich habe früher Handball gespielt. Heute steige ich gerne auf’s Rennrad, spiele gelegentlich Tennis und Fußball. Nach dem Wahlkampf steht definitiv wieder mehr Sport auf dem Programm.“
Daniel Quade: „: Ich spiele seit meinem fünften Lebensjahr leidenschaftlich gerne Fußball. Heute noch beim VfB Südharz, dem fusionierten Nachfolgeverein des Vereins, bei dem ich damals mit dem Fußballspielen begonnen habe. Außerdem gehe ich sehr gerne joggen. Dabei kann ich am besten nachdenken, den Kopf frei bekommen und gleichzeitig Stress abbauen.“
Gökick: Gibt es ein sportliches Erlebnis, das Ihnen aus Ihrer politischen Laufbahn besonders in Erinnerung geblieben ist?
Marcel Riethig: „Der Gewinn des Handball-Kreispokals 1998 war ein besonders Erlebnis, allerdings noch vor meinem politischen Engagement. Als Landrat darf ich Schirmherr des REWE Junior-Cup sein. Was dieses Turnier leistet und wie viele junge Menschen begeistert dabei sind, beeindruckt mich sehr.“
Daniel Quade: „Da fällt mir die Auswahl tatsächlich schwer. Besonders gerne denke ich an die beiden Alpencup-Siege 2022 in Deutschland und 2025 in Italien sowie an den vierten Platz bei der Europameisterschaft 2022 in der Slowakei zurück – jeweils mit der Deutschen Fußballnationalmannschaft der Bürgermeister. Das sind Erlebnisse, die man nicht so schnell vergisst. Gerade weil es dabei nicht nur um Fußball geht, sondern auch um Gemeinschaft, Freundschaften und das gemeinsame Erleben.“
Gökick: Was fasziniert Sie persönlich am Sport?
Marcel Riethig: „Mich fasziniert der Teamgeist, der aus völlig unterschiedlichen Menschen eine Einheit formt. Und: Sport macht den Zusammenhang zwischen Leistung und Ergebnis sichtbar.“
Daniel Quade: „Mich fasziniert, dass man mit Training, Disziplin und Ehrgeiz sehr viel erreichen kann. Gleichzeitig lernt man gerade aus Niederlagen oft mehr als aus Siegen. Beim Mannschaftssport kommt für mich noch etwas Entscheidendes hinzu: Teamgeist und Zusammenhalt. Man gewinnt und verliert gemeinsam und lernt, dass nicht immer der Einzelne, sondern die Mannschaft entscheidend ist.“
2. Sport und Politik
Gökick: Welchen Stellenwert sollte der Sport aus Ihrer Sicht in der Kommunal- beziehungsweise Kreispolitik haben?
Marcel Riethig: „Ausgaben für den Sport gelten als freiwillige Leistung. Das halte ich für falsch. Die Förderung des Sport ist unverzichtbar und die Ehrenamtlichen verdienen Unterstützung und Wertschätzung für ihre Arbeit.“
Daniel Quade: „Sport hat für mich einen sehr hohen Stellenwert. Das Problem ist nur: Sportförderung ist – ähnlich wie Kulturförderung – kommunal eine freiwillige Leistung. Wenn die finanziellen Spielräume immer kleiner werden, wird deshalb gerade hier schnell der Rotstift angesetzt, weil gleichzeitig die Pflichtaufgaben weiter steigen. Meine Wertschätzung gilt dabei ausdrücklich nicht nur den Sportvereinen, sondern allen Vereinen. Ich bin selbst ehrenamtlich aktiv und weiß deshalb, wie wichtig diese Arbeit für eine Kommune ist. Wir versuchen als Kommune, Vereine deshalb zu unterstützen, wo wir nur können: unbürokratisch, mit offenem Ohr und lösungsorientiert. Was uns leider zunehmend fehlt, sind die finanziellen Möglichkeiten für eine entsprechende Unterstützung.“
Gökick: Ist Sport für Sie in erster Linie Freizeitgestaltung oder auch ein wichtiger Bestandteil der gesellschaftlichen Entwicklung?
Marcel Riethig: „Sport fördert ein gutes Miteinander, ist gut für die Gesundheit und ist damit weit mehr als nur Freizeitgestaltung.“
Daniel Quade: „Sport ist für mich weit mehr als Freizeitgestaltung. Gerade Kinder und Jugendliche lernen im Sport viele Dinge, die sie später im gesamten Leben brauchen: den Umgang mit anderen Menschen, Respekt, Pünktlichkeit, Disziplin, Rücksichtnahme, den Umgang mit Rückschlägen und die Erfahrung, dass sich harte Arbeit auszahlen kann. Ich erlebe das auch ganz konkret in der Jugendmannschaft, die ich trainiere. Dort spielen mittlerweile Kinder mit sieben unterschiedlichen Nationalitäten zusammen. Die Kinder lernen dadurch ganz selbstverständlich voneinander, Sprache und Integration werden nebenbei zur Normalität. Es entstehen weniger Vorbehalte, weil es irgendwann gar keine Rolle mehr spielt, wer anders aussieht, anders spricht oder woher jemand kommt. Sport verbindet. Und wahrscheinlich könnte ich zu diesem Thema noch zwei Seiten schreiben.“
Gökick: Welche Bedeutung haben Sportvereine für den gesellschaftlichen Zusammenhalt gerade im ländlichen Raum?
Marcel Riethig: „Sportvereine sind Treffpunkte für viele Menschen und verbinden sie. Gerade in den Dörfern sind sportliche Veranstaltungen Höhepunkte des Jahres.“
Daniel Quade: „Ich glaube, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt in Deutschland ohne die Sportvereine und die vielen anderen Vereine deutlich schwächer wäre. Gerade im ländlichen Raum übernehmen Vereine teilweise Aufgaben, die früher selbstverständlich von anderen Strukturen getragen wurden. Sie schaffen Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche, vermitteln Werte und geben Menschen Gemeinschaft und Halt. Sie sind oft auch da, wenn es jemandem einmal nicht gut geht. Für mich gilt deshalb ganz einfach: Wenn Vereine und Vereinsleben vor Ort funktionieren, dann funktioniert auch ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft als Gemeinschaft
Gökick: Was können Sportvereine leisten, was staatliche oder kommunale Einrichtungen allein nicht leisten können?
Marcel Riethig: „Sportvereine fördern den gesellschaftlichen Austausch und tragen zur Attraktivität des Wohn- und Lebensortes bei. Es gibt sogar einen wissenschaftlich nachgewiesenen Zusammenhang, dass eine Mitgliedschaft in einem Verein die Bindungskraft junger Menschen an die Heimat erhöht.“
Daniel Quade: „Vieles von dem, was ich gerade beschrieben habe. Schule vermittelt Wissen – und das ist selbstverständlich wichtig. Aber nicht alles, was man für das reale Leben braucht, lässt sich aus Büchern lernen. Den Satz des Pythagoras habe ich in der Schule gelernt. Seitdem habe ich ihn, ehrlich gesagt, nicht mehr besonders häufig gebraucht. Die Werte, die man in einem Verein lernt und lebt – Respekt, Teamfähigkeit, Verlässlichkeit, Durchhaltevermögen und Rücksichtnahme –, braucht man dagegen jeden Tag: im Beruf, in Freundschaften, in der Familie und im Umgang mit anderen Menschen. In unseren Vereinen werden Werte vermittelt, die unserer Gesellschaft an manchen Stellen leider zunehmend verloren gehen.“
Gökick: Wird der Sport von der Politik Ihrer Meinung nach ausreichend wahrgenommen und unterstützt?
Marcel Riethig: „Der Landkreis Göttingen hat viel für die Förderung des Sportes getan, nach meinem Eindruck nehmen dies auch die im Sport Verantwortlichen wahr.“
Daniel Quade: „Nein. Wenn Bund und Länder wirklich verstanden hätten, was Vereine und insbesondere Sportvereine ehrenamtlich für unsere Gesellschaft leisten, müsste die Unterstützung aus meiner Sicht deutlich größer sein. Erst wenn auf der Ebene gehandelt wird, haben der Landkreis und die Kommunen die Möglichkeiten zu handeln. Es reicht nicht, immer wieder zu betonen, wie wichtig das Ehrenamt ist und wie dankbar man dafür sei. Das erinnert mich ein Stück weit an die Corona-Zeit, als für die Beschäftigten in den medizinischen Berufen geklatscht wurde. Eine schöne Geste – aber davon kann man sich letztlich auch nichts kaufen. Wir müssen Sport- und Vereinsförderung deshalb viel stärker als das begreifen, was sie tatsächlich ist: eine Investition in gesellschaftlichen Zusammenhalt und aus meiner Sicht auch ein Stück Demokratieförderung und Demokratiebildung.“
Gökick: Wo sehen Sie aktuell den größten politischen Handlungsbedarf beim Thema Sport?
Marcel Riethig: „Eine gesamtgesellschaftlich bedenkliche Entwicklung ist der abnehmende Respekt gegenüber Schiedsrichtern, nicht nur im Fußball. Dagegen können wir alles etwas unternehmen. Was die Kreispolitik leisten kann und muss, ist die Infrastruktur wie bspw. Sporthallen aufrecht und gut in Schuss zu halten.“
Daniel Quade: „Zum einen bei der finanziellen Ausstattung generell. Zum anderen bei einer Frage, die uns noch viele Jahre beschäftigen wird: Wie schaffen wir es, die Vielzahl maroder Sportstätten zukunftsfähig zu machen? Wir können nicht von Kindern und Jugendlichen verlangen, dass sie sich mehr bewegen und Vereine stärken, wenn gleichzeitig die Infrastruktur, auf der Sport stattfinden soll, vielerorts in einem schlechten Zustand ist.“
3. Blick auf die Zukunft
Gökick: Wenn Sie heute frei über die Sportpolitik der kommenden zehn Jahre entscheiden könnten: Was würden Sie als Erstes verändern?
Marcel Riethig: „Das ist ja leider nicht möglich, daher konzentriere ich mich auf das Machbare. Ich möchte das erfolgreiche Förderprogramm der Gemeinde Friedland zur Sanierung von Vereinsheimen auf den ganzen Landkreis ausweiten.“
Daniel Quade: „Wenn man schon einmal so frei träumen darf, würde ich gesetzlich festlegen, dass Länder, Landkreise und Kommunen einen bestimmten Prozentsatz ihres Haushalts dauerhaft für Sportförderung vor Ort bereitstellen müssen. Kurz gesagt: Sportförderung von der freiwilligen zur verpflichtenden Aufgabe werden. Denn wenn etwas für unsere Gesellschaft so wichtig ist, darf es nicht immer das Erste sein, das in finanziell schwierigen Zeiten gestrichen wird.“
Gökick: Welche Sportart oder welches Sportangebot wird Ihrer Meinung nach in Zukunft an Bedeutung gewinnen?
Marcel Riethig: „Alle Kinder sollten schwimmen lernen. Angebote, die Kinder und Jugendliche zu Bewegung animieren und weg von der Spielkonsole führen, werden an Bedeutung gewinnen genauso wie Angebot für ältere Menschen, die den zwischenmenschlichen Austausch und die Fitness fördern.“
Daniel Quade: „Wenn ich die gesellschaftlichen Entwicklungen betrachte, glaube ich, dass E-Sport beziehungsweise Gaming weiter an Bedeutung gewinnen wird. Für mich persönlich ist das allerdings kein Ersatz für klassischen Sport. Sport habe ich immer mit Bewegung und körperlicher Aktivität verbunden. Gleichzeitig glaube ich, dass gerade deshalb Angebote wichtiger werden, die Bewegung niedrigschwellig, flexibel und mit Spaß verbinden – insbesondere für Kinder und Jugendliche, die heute deutlich mehr Alternativen zu einem Nachmittag auf dem Sportplatz haben.“
Gökick: Wie bekommen wir wieder mehr Kinder und Jugendliche dauerhaft in die Sportvereine?
Marcel Riethig: „Ich sehe eine Chance darin, die Kinder und Jugendlichen über die Kitas und Schulen stärker mit den Sportvereinen in Kontakt zu bringen. Fit für Pisa+ ist beispielsweise ein tolles Projekt, das zeigt, wie davon alle profitieren.“
Daniel Quade: „Das eine Wundermittel kenne ich leider auch nicht. Der Schulalltag ist heute länger, Hausaufgabenbetreuung und andere Verpflichtungen nehmen Zeit in Anspruch. Gleichzeitig konkurrieren soziale Medien, Gaming und andere Freizeitangebote stärker mit dem Sportverein als früher. Was ich aber selbst erlebe: Wenn es gelingt, einige Kinder wirklich für den Sport zu begeistern, kommen plötzlich weitere dazu – oft über Freunde und Mund-Propaganda. Augustinus hat einmal gesagt: „In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.“ Ich glaube, genau dieses Feuer brauchen wir. Und häufig sind es die ehrenamtlichen Trainerinnen und Trainer, bei denen es beginnt. Mit ihrer Begeisterung steht und fällt vieles.“
Gökick: Was muss passieren, damit sich wieder mehr Menschen ehrenamtlich im Sport engagieren?
Marcel Riethig: „Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, wollen sich nicht mit Formularen und Bürokratie herumschlagen. Sie wollen für ihre oder in ihrer Sportart positives bewirken. Also: weniger Bürokratie.“
Daniel Quade: „Genau diese Frage stelle ich mir selbst häufig – eine einfache Antwort habe ich darauf allerdings noch nicht gefunden. Der Alltag ist für viele Menschen stressiger geworden. Arbeitszeiten, Familie und andere Verpflichtungen machen es schwieriger, sich dauerhaft und regelmäßig an ein Ehrenamt zu binden. Ich glaube deshalb auch nicht, dass man das Problem allein mit kleinen steuerlichen Vergünstigungen lösen kann. Wir müssen vielmehr darüber sprechen, wie wir Ehrenamt insgesamt wieder einfacher machen – mit weniger Bürokratie, mehr Wertschätzung und Strukturen, die es ermöglichen, sich auch zeitlich flexibler einzubringen.“
Gökick: Welche Rolle können Schulen, Kommunen und Vereine gemeinsam spielen, um den Sport stärker in den Alltag von Kindern und Jugendlichen zu integrieren?
Marcel Riethig: „So kritisch die Entwicklung hin zum Ganztag auch in der Grundschule gesehen wird, liegt darin auch die Chance, die Kinder in den Schulen auch in die Vereine zu bringen. Sich darum zu kümmern, ist eine ureigene kommunale Aufgabe.“
Daniel Quade: „Sport muss auch im Schulalltag einen höheren Stellenwert bekommen. Nicht als Randfach, bei dem ein Unterrichtsausfall weniger problematisch erscheint als in anderen Fächern. Schulen können über Sport, AGs und zusätzliche Angebote Interesse und Begeisterung wecken. Kommunen müssen die notwendige Infrastruktur bereitstellen – von Sporthallen bis zu Sportplätzen. Und die Vereine müssen dann mit ihren vielfältigen Angeboten dafür sorgen, dass aus dem ersten Interesse echte Begeisterung wird. Dabei geht es längst nicht nur um sportliche Leistungen. Bewegung kann auch helfen, Entwicklungen wie motorische Einschränkungen oder Übergewicht frühzeitig entgegenzuwirken.“
4. Persönlicher Abschluss
Gökick: Was haben Sie durch den Sport für Ihr Leben und vielleicht auch für Ihre politische Arbeit gelernt?
Marcel Riethig: „Teamgeist, Verantwortungsbewusstsein und Organisationsgeschick.“
Daniel Quade: „Offenheit, Disziplin, Hartnäckigkeit, Durchsetzungsvermögen und Teamfähigkeit. Und vielleicht noch etwas Entscheidendes: Man gewinnt selten allein. Gerade in der Politik ist es wichtig zu wissen, wann man vorangehen muss – und wann man andere mitnehmen muss.“
Gökick: Gibt es einen Sportler, eine Sportlerin oder einen Verein, den Sie besonders bewundern?
Marcel Riethig: „Ich bewundere Hendrik Becker, der aus der Region kommt und seit vielen Jahren Höchstleistungen beim Triathlon bringt. Ich verfolge seine Story in den sozialen Medien, die Leistungen verdienen höchsten Respekt.“
Daniel Quade: „Thomas Müller. Cooler Kicker, noch coolerer Typ. Und ich habe sogar eine kleine persönliche Geschichte dazu: Er hat mir schon einmal beim Fußballspielen zugeschaut. Damals habe ich mit dem FC Penzberg in Bayern gegen seinen Bruder in dessen Heimatort Pähl gespielt. Wir haben, wenn ich mich richtig erinnere, 7:3 gewonnen. Alle drei Gegentore hat übrigens sein Bruder erzielt. Das macht die Geschichte irgendwie noch besser.“
Gökick: Was würden Sie einem Jugendlichen sagen, der heute überlegt, ob er einem Sportverein beitreten soll?
Marcel Riethig: „Ich würde ihm davon erzählen, wie großartig das Gefühl ist, als Teil einer Mannschaft mit dieser erfolgreich zu sein.“
Daniel Quade: „Du wärst verrückt, wenn du es nicht tust. Du bekommst Bewegung, Freunde, Gemeinschaft und lernst ganz nebenbei Dinge, die dir dein ganzes Leben lang helfen werden.“
Gökick: Wenn Sie unserer Region im Sport eine Schulnote geben müssten: Welche wäre es – und warum?
Marcel Riethig: „Eine 2+. Unsere Region ist eine sportbegeisterte Region mit so vielen Sportarten, die in der Breite mit vielen Events schaffen und auch im Spitzensport mit Leistungen glänzen. Leider findet das in der öffentlichen Berichterstattung nicht immer die verdiente Wertschätzung.“
Daniel Quade: „Da ich ehrlicherweise sehr stark auf Fußball fokussiert bin, möchte ich mir kein Urteil über den gesamten Sportbereich in der Region anmaßen. Den Vereinen, ihrem Angebot und vor allem ihrem Engagement würde ich allerdings eine 1 geben. Was dort ehrenamtlich geleistet wird, verdient großen Respekt.“
Gökick: Was wünschen Sie sich persönlich für den Sport in Südniedersachsen?
Marcel Riethig: „Auch in Zukunft viele Menschen, die bereit sind, sich für den Sport zu engagieren.“
Daniel Quade: „Wenn man nicht wünschen, sondern träumen darf, wäre meine Antwort ziemlich eindeutig: einen Göttinger Fußballverein in der Regionalliga. Das wäre sportlich natürlich schön – und würde der gesamten Region guttun.“
Gökick: Vielen Dank für die interessanten Antworten und viel Glück bei der Kommunalwahl am 13. September!
