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Vor knapp 18 Jahren ereignete sich eine schicksalsträchtige Einwechselung. Auf dem Kleinfeldplatz in Ebergötzen stand ein sechsjähriger Junge an der Seitenlinie und fragte seinen Trainer im Abstand von geschätzten 53 Sekunden, wann er denn „endlich spielen“ dürfe. Als er endlich den Nervpegel des angesprochenen Übungsleiters in bemitleidenswerte Dimensionen hoch getrieben hatte, wurde er von der Leine gelassen - und er lief und lief und lief, wie es einst die Werbestrategen der Firma Volkswagen es ihrem „Käfer“ in romantisierender Verklärung beschieden hatten. Timo Hichert, so der Name des bis dato nur im Trainingsbetrieb auffälligen Kindes, ließ alle Gegenspieler stehen und traf binnen 25 Minuten gleich dreimal in des Gegners Tor. Was für ein Debüt, das zwar seinen Trainer Daniel Vollbrecht überraschte, nicht jedoch Vater Reinhard, der vom ersten Moment an mit Stoppuhr und Statistikblock ausgestattet, den fußballerischen Werdegang seines Sohnes protokollierte.
Von Daniel Vollbrecht (Bovender SV)
18 Jahre später läuft Timo Hichert noch immer. Ist das Spiel erst einmal angepfiffen, gibt es für den Vorzeigefußballer des Bovender SV kein Halten mehr. 100% Konzentration und 100% Fokussierung auf den maximalen Erfolg, lautet sein Credo, dem er sich seit der F-Jugend verpflichtet sieht. Nicht selten rennt er das komplette Lungenvolumen innerhalb der ersten 60 Minuten leer, um dann die Schlussphase lediglich mit sattsam vorhandenem Adrenalin zu bestreiten. Schon Tage vor wichtigen Spielen baut Timo Spannung auf und motiviert seine Mitspieler mit kreativen Methoden. Die „HUMBA“ mit geflüstertem Ausrufezeichen vor dem großen Finale ist mittlerweile fester Bestandteil des Saisonendspurts, wenn es in 6-Punkte-Spielen gegen den Abstieg oder um den Aufstieg geht. Als wir vor fünf Jahren unter dem damaligen Trainer Stefan Claus im allerletzten Spiel auf dem allerletzten Acker in Petershütte (Katzenstein) mit einem mühsam erkämpften 0:0 den Klassenerhalt in der Bezirksliga sicherten, zeigte Keeper Amer Zukanovic die erste Gefühlsregung seiner Karriere („Ja man!“), all derweil Timo noch Wochen später über das ganze Gesicht strahlte und bis heute noch gerne über diesen großen Tag für den Bovender SV spricht.
Die totale Identifikation mit dem Verein lebte er auch als Jugendtrainer vor. Bei seinem Debüt als Übungsleiter der C-Jugend wurde mit der kompletten Mannschaft erstmal ausgiebig Torjubel trainiert, gefolgt von Schwalben, wobei letztere Idee nur im Training nahhaltig umgesetzt wurde. Nachwuchskicker Jetlir Aliaj, in der kommenden Saison bei Sparta Göttingen aktiv, schwärmt immer noch von Timo als „Deluxe Coach“ in höchsten Tönen. Gefürchtet für sein Konditionstraining in der Saisonvorbereitung und geliebt für seine teils nicht jugendfreien Ansprachen in der Kabine, die aber derart aufputschend verbalisiert werden, dass Energy-Drink-Produzenten in Bovenden schon seit Jahren kein Bein mehr auf die Erde bekommen.
Gemeinsam mit Mutter Heide, die seit 18 Jahren mit Freundlichkeit und prall gefüllten Picknickkörben für eine harmonische Atmosphäre verantwortlich zeichnet und Vater Reinhard, der wohl zu den treuesten Fans der Bovender Fußballabteilung zählt, ist Timo ein Riesengewinn für den Verein. Umso mehr freuen wir uns über seine Treue, die bereits häufiger über zwischenzeitlich geäußerte Wechselabsichten obsiegte. Wie kommentierte vor einigen Wochen ein Spieler der Sülbecker A-Junioren, als Timo hinter unserem Tor ein Pyrofeuerwerk zündete: „Ey, wie geil ist der Typ denn?“ Dem können wir uns nur anschließen: Herzlichen Glückwunsch zum 24. Geburtstag, Timo!