Northeim/Kreta. Nach dem Sieg von Eintracht Northeim gegen den MTV Gifhorn sitzt Florian Thamm im Kreise seiner Mannschaft zusammen und wartet auf die Pizza nach dem Spiel. Nur eine Woche ist es her, da stand Thamm mit der Bronzemedaille um den Hals auf dem Kunstrasenplatz im Hafen von Rethymno auf Kreta und freute sich im Kreise der Kleinfeldnationalmannschaft vor 4.000 Zuschauern über den dritten Platz bei der Europameisterschaft! Ein guter Grund für uns ihm die Wartezeit zu verkürzen und zu einem Interview zu bitten!

Hallo Florian, herzlichen Glückwunsch zu Platz drei bei der Kleinfeldeuropameisterschaft auf Kreta! Klär uns doch mal auf, was es mit der Kleinfeld Euro auf sich hat?

Thamm: „Vielen Dank! Ganz einfach gesagt ist die Kleinfeld Euro so wie die große EM nur auf Kleinfeld! Wir spielen auf 43 x 22m und natürlich auf kleinere Tore! Gespielt wird mit fünf Feldspielern und einem Torwart. Die Spielzeit beträgt 2×20 Minuten und danach sofort 7 Meter schießen bei Gleichstand“

Wie wird man denn Nationalspieler des Kleinfeldverbandes?

Thamm: „Der Verband, hauptsächlich der Trainer hat ein Augenmerk auf die [link url=http://www.uni-liga.com text=Uniliga] gesetzt. Da gibt es Spieltage an denen wurde in ganz Deutschland gesichtet. Danach gab es eine Vorsichtung! Auf der waren für den Norden 20 Spieler, dann eine Endsichtung und am Ende sind 12 Spieler mit zur EM geflogen!“

Wieviele Länderspiele hast du jetzt?

Thamm: „Mittlerweile sind es 10!“

Auffällig ist, dass dem 12er Kader der Nationalmannschaft vier Spieler aus unserem Fußballbezirk angehören. Zufall, oder sind wir „the place to be“ im Kleinfeldbereich?

Thamm: „Es ist darauf zurückzuführen dass die Uniliga in Göttingen und Braunschweig einfach am größten ist, aber natürlich auch darauf, dass hier einfach die besten Fußballer zu finden sind!“

[link url=http://www.dkfv.eu/nationalmannschaft.html text=Der Kader der Kleinfeldnationalmannschaft]

Sind in der Nationalmannschaft Spieler, die als Fußballprofi ihr Geld verdienen? Ist es überhaupt möglich auf dem Kleinfeld Geld zu verdienen?

Thamm: „Der DKFV möchte nur Spieler bis zur Oberliga! Darüber hinaus finden die Leute auch die Zeit nicht. Kohle wäre schön, aber dafür braucht man Sponsoren. Der Verband hofft durch das gute Turnier entsprechend Unterstützung zu finden.“

Der DKFV ist ein eigenständiger junger Verband und keine Instanz des DFB. Inwieweit war es ein Problem von deinem Verein Eintracht Northeim eine Freigabe für die Zeit zu bekommen?

Thamm: „Das war anfangs ein riesengroßes Problem. Der Verein hatte definitiv was dagegen! Sie dachten es wäre ein Juxturnier von Studenten um sich zu betrinken und nebenbei etwas zu kicken! Ich habe mich dann aber dazu entschlossen zur Not auch gegen den Willen des Vereins mitzufliegen! Durch meine Verletzung die ich vorher hatte und nachdem ich den Verantwortlichen noch mal erklärt habe worum es dort geht, war es dann in Ordnung. Gerade auch um wieder Spielpraxis zu bekommen!“

Hatten andere Spieler auch Probleme damit, ein Daniel Reck als Stammtorwart einer Oberligamannschaft (FT BS) zum Beispiel?

Thamm: „Nein! Niemand hatte da sonst Probleme! Viele Trainer haben das auch gefördert und waren froh, dass ihre Spieler diese Erfahrung machen durften!“

Du warst ja länger verletzt und hast zusätzlich das Landesligatraining zu absolvieren! Wie sah deine Vorbereitung auf die Euro aus?

Thamm: „Nicht optimal. Zwei Wochen bevor es losging war ich erst wieder fit. Hatte dann nur Krafttraining gemacht und bin erst auf dem Wochenendlehrgang vor dem Turnier wieder am Ball gewesen!“

Kommen wir zum Turnier selbst! Für dich war es bereits die zweite Euro nach der EM letztes Jahr in Moldawien! Was war dieses mal besonders?

Thamm: „Alles war anders! Von der Organisation, von der Atmosphäre, von der Aufmachung! Direkt am Strand zu spielen war besonders und das vor bis zu 4.000 Zuschauern! Ich weiß nicht wie das Turnier getoppt werden soll!“

Täuscht das Gefühl, dass zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung der Kleinfeldfußball noch etwas untergeht?

Thamm: „Es kommt jetzt! Wenn ich das mit letztem Jahr vergleiche, da war noch gar keine Unterstützung vorhanden. Durch die Übertragung im Internet hatten wir eine große Resonanz. Das war schon beeindruckend. Ich denke das wird weiter gehen. Und auch meine eigene Mannschaft hat die Spiele geschaut und mich unterstützt.“

Wie war die Resonanz vor Ort?

„Wir hatten einen eigenen Fanblock mit gut 30 Leuten die uns angefeuert haben! Wir kamen gut an als Nationalmannschaft, außer als wir im Achtelfinale die Gastgeber Griechenland rausgeworfen haben, aber gegen Russland im Spiel um Platz drei hatten wir auch das Stadion hinter uns. Viele Deutsche Urlauber haben uns auch unterstützt und uns auf der Straße angesprochen!“

Was war dein schönster Moment bei der EM?

Thamm: „Eindeutig das Spiel gegen Griechenland! Einmal zu erfahren wie es ist wenn dich 4.000 Zuschauer auspfeifen! Und mein Ausgleichstreffer gegen die Griechen und den Elfmeter im Siebenmeterschießen. Da sind Plastikflaschen geflogen und wir mussten mit Polizeieskorte ins Hotel begleitet werden nach dem Spiel! Ich habe nachdem Ausgleich eine Geste an meinem Ohr gemacht, weil es plötzlich so leise war. Das wurde mir auch abends in der Disco noch übel genommen. Nach dem Turnier war das aber wieder in Ordnung!“

Parallel zum DFB Spielbetrieb geht auch der DKFV mit einer Liga an den Start, wie bekommst du das dauerhaft unter einen Hut?

Thamm: „In Göttingen ist die Kleinfeldliga gescheitert! Das lag auch daran, dass es in den Semesterferien stattfand. Ich spiele aber weiterhin Uniliga in Göttingen und fahre ab und an zu den Lehrgängen und Testspielen des DKFV!“

Wann ist dein nächstes Länderspiel?

Thamm: „Das weiß ich noch nicht! Nächstes Jahr ist wieder eine EM und 2015 soll sogar eine WM stattfinden!“

Im Landesligaalltag stand heute das Heimspiel gegen den MTV Gifhorn, vor 150 Zuschauern an. Ist das nach dem Erlebnis eher ernüchternd?

Thamm: „Natürlich ist das ernüchternd! Was ich extrem schwierig fand ist, dass man sieben Tage lang in der Sonne trainiert und gespielt hat und dann hier Mittwochs wieder auf der Asche ran muss! Das ist eigentlich eher ernüchternd. Aber andererseits war es auch klar, dass das passiert!“

Vielen Dank Florian und weiterhin viel Erfolg auf Groß- und Kleinfeld!

Am Rande des Interviews kam auch die Pizza geliefert in die Gaststätte des Gustav-Wegner-Stadions. Und während der Nationalspieler Florian Thamm sich unseren Fragen widmete bleibt ihm am Ende nur das, was seine Mannschaft ihm übrig lässt. Der Weg zum Ruhm auf dem Kleinfeld ist noch lang. Wir werden ihn mit ihm gehen!

Weitere Informationen zum Kleinfeldfussball:

Zur [link url=http://www.dkfv.eu/startseite.html text=Homepage des DKFV]

Zum [link url=http://www.11freunde.de/interview/die-nationalelf-im-kleinfeldfussball-vor-der-em text=Bericht der 11FREUNDE vor der EM]