Vom 4. bis 6. Juli 2014 fand im Feuerwehrzentrum Potzwenden das 2. Inklusive Fußballcamp Göttingen statt. Bereits zum zweiten Mal veranstalteten die Göttinger Werkstätten in Zusammenarbeit mit Special Olympics Niedersachsen und den Sportfreunden Braunschweig das Trainingscamp. Das Motto lautete dieses Jahr passend zur Fußballweltmeisterschaft „Trainieren wie die Weltmeister“. Ermöglicht wurde das Fußballcamp durch die finanzielle Unterstützung der AXA Versicherung AG.

Von Stefan Kurth

Neben den Gastgebern der Inklusiven Fußballmannschaft vom Wohnhaus Zietenterrassen fanden sich weitere Teilnehmer aus den Teams der Lebenshilfen Leinefelde/Worbis und Goslar sowie einzelne Teilnehmer aus dem gesamten Landesgebiet ein. Insgesamt nahmen am Trainingslager über dreißig Menschen mit und ohne Behinderung teil.

Am Freitag begann das Training mit einer Klassifizierungseinheit, in der die verschiedenen Spielstärken erkannt und dementsprechend Trainingsgruppen eingeteilt wurden. Am Abend gab es gleich die erste theoretische Einheit. In einer Präsentation wurden die Fußballregeln in einfacher Sprache erklärt.

Auch neben dem Platz wurde für reichliche Unterhaltung rund um das geliebte Leder gesorgt. Am Abend verfolgten die Teilnehmer gespannt das deutsche WM Viertelfinale gegen Frankreich und freuten sich allesamt über den Einzug ins Halbfinale. Anschließend konnte noch auf der Spielekonsole Fußball gespielt werden.

Am Samstag begann der Tag mit einem Guten-Morgen-Lauf. Zur Freude aller Teilnehmer kam am Samstagmorgen auch Tina Klose von den Sportfreunden Braunschweig zum Trainingscamp und leitete eine Trainingseinheit. Anschließend fand ein Highlight des 2. Inklusiven Fußballcamps statt. Um 10.00 Uhr besuchte das DFB-Mobil vom Niedersächsischen Fußballverband samt professioneller Trainer das Camp. Das durch die offiziellen Trainer vom DFB angeleitete zweistündige Training fand bei allen Teilnehmern großen Zuspruch. Egal ob Könner oder Anfänger, beim DFB-Mobil Training kam jeder Spieler auf seine Kosten.

Am Nachmittag machten sich alle Teilnehmer dann auf zum Göttinger Jahn-Sportpark, wo das öffentliche Selbsterfahrungstraining stattfand. Hier bekamen Menschen ohne Behinderung von den Veranstaltern künstliche Handicaps verpasst. Unter anderem verdeutlichte ein Übergewichtssimulationsanzug, was es für Menschen mit Übergewicht bedeutet, Sport zu treiben und welche Belastung dieses mit sich bringt.

Ebenso wurden verschiedene Sehbehinderungen simuliert. Eine mit Klarsichtfolie verklebte Brille simulierte dabei unscharfes Sehen. Außerdem wurde eine Tunnel-Blick-Brille angeboten, die das Fixieren eines Blickpunktes unmöglich macht.

Durch das Zusammenbinden der Beine wurde des Weiteren eine Lähmung oder Spastik simuliert, die den Teilnehmern des Selbsterfahrungstrainings in ihrer Bewegungsmöglichkeit einschränken sollte.

Neben den Unified-Partnern des Inklusiven Fußballcamps kamen auch Personen von außerhalb zum öffentlichen Selbsterfahrungstraining, die sich für die Thematik „Sport und Behinderung“ interessierten. Zum Abschluss der öffentlichen Trainingseinheit gab es dann ein Inklusives Abschlussspiel, bei dem die Teilnehmer des Camps und die Gäste alle gemeinsam spielten. Die Mischung aus Athleten und Partnern, Kindern und Erwachsenen ergab auf dem Platz eine tolle Mischung, die ohne weiteres als „Pure Inklusion“ bezeichnet werden kann.

Abends wurde dann in Potzwenden ein kleines Grillfest organisiert, welches jedoch durch einen leichten Regenschauer getrübt wurde. Die Teilnehmer ließen sich dadurch ihre Freude jedoch nicht nehmen und ließen sich die Bratwurst schmecken.

Am Sonntag informierte Tina Klose in einer Theorieeinheit über die Angebote der Sportfreunde Braunschweig und präsentierte die Erfolge, die der junge Verein in seinem knapp zweijährigen Bestehen bereits erreichen konnte.

Danach fand unter allen Teilnehmern dann ein Abschluss-Turnier statt, bei dem alle gewählten Teams gegeneinander spielten. Am Ende gab es nur Gewinner.

Besonders hat sich das 2. Inklusive Fußballcamp Göttingen wieder durch seine Teilnehmer ausgezeichnet. Schon am Freitag war erkennbar, dass es nicht bloß eine Ansammlung fußballinteressierter Menschen mit und ohne Behinderung ist, sondern eine Gruppengemeinschaft die fest entschlossen ist, ein tolles Wochenende rund um das geliebte Leder gemeinsam in Potzwenden zu verbringen.

Allen Teilnehmern hat das Fußballcamp sehr gut gefallen, erste Rückmeldungen lassen erahnen, viele der kennengelernten Gesichter im nächsten Jahr wieder zu sehen.

Ein besonderer Dank geht an den VFL Wolfsburg, der mit einer großen Sachspende die Teilnehmer vom 2. Inklusiven Fußballcamp Göttingen sehr glücklich gemacht hat. Die Teilnehmer haben sich sehr über die Trikots, Trainingsanzüge und anderen Sachspenden gefreut!

Fotos: Christina Oehlschläger, außer Fotos 1, 3, 5: Tina Klose