Dienstag, 11.09.2018, 16:55 Uhr

B-Mädchen-Niedersachsenliga: Hannover 96 klagt sich erfolgreich in die Liga

Urteil mit weitreichenden Folgen?

Seit vergangenem Wochenende ist die Seite der B-Juniorinnen-Niedersachsenliga im Verbandsportal nicht mehr zu erreichen. Der Grund: Hannover 96 hat erfolgreich für eine Teilnahme seines neuen Mädchen-Teams an der Niedersachsenliga, in der mit dem MF Göttingen auch ein Verein unserer Region spielt, geklagt. Dass das Verbandssportgericht dieses Urteil verhängt hat, bestätigten gegenüber Gökick nicht nur der neue Staffelleiter Thomas Eilers – die ehemalige Staffelleiterin ist aufgrund des Urteils zurückgetreten – sondern auch der Chef des Verbandssportgerichtes Jörg Firus. Deshalb musste nun ein neuer Spielplan erstellt werden, der die bisher absolvierten Spiele ebenso in die Planung einbezieht, wie auch die Belange der Teams. Unzufriedenheit auf breiter Front herrscht aufgrund dieses Urteils in der Liga.

Torsten Burkhardt, Trainer der Frauen-Mannschaft des MF Göttingen glaubt, dass die Ausschreibung des Verbandes ein solches Urteil eigentlich nicht zuließe. Die Sollzahl der Niedersachsenliga betrage maximal zehn Mannschaften (§1 der Ausschreibung), die nun überschritten wird. Außerdem hatte Hannover 96 im Vorjahr überhaupt kein Team im Spielbetrieb gemeldet, was eine der Grundvoraussetzungen zur Liga-Zulassung sei (§2.3 der Ausschreibung). Das Urteil und dessen Begründung, die Gökick beim Verbandssportgericht am Montag angefordert hatte, die die Redaktion aber noch nicht erreicht haben, könnten weitreichende Bedeutung für den gesamten Fußball in diesem Lande haben. Somit wäre möglicherweise die, für aufrüstende Vereine hinderliche Aufstiegsregel aus den untersten Klassen beseitigt und gäbe den „Retortenvereinen“ à la RB Leipzig die Möglichkeit, sich auf das Urteil berufend, mit entsprechend zusammengestellten, talentierten Teams sofort in höhere Ligen zu springen. In der Regel müssen Mannschaften, die nicht mehr am Spielbetrieb teilgenommen haben, in der untersten, oder mit Einverständnis der Vereine, in der zweit-tiefsten Liga starten. Einige Insider argwöhnen, dass vielleicht Bundesligist Hannover 96 seine Macht für diese Urteil in die Waagschale geworfen hat. Das würde die Integrität des Sportgerichts allerdings anzweifeln. Die demnächst einzusehende Urteilsbegründung dürfte mit Spannung zu lesen sein. 


Der neue Spielplan wurde soeben veröffentlicht. Wie Torsten Burkhardt schon geahnt hat, spielt der MF Göttingen gleich im kommenden Punktspiel am Samstag, den 15. September, 13:00 Uhr auf dem Kunstrasenplatz des Jahnstadions gegen den Liga-Invasor. Wie sich der Verein verhalten wird, stehe indes noch nicht fest.

Update, 12. September: Ein Gökick-Leser wies unsere Redaktion zudem auf folgende, mögliche Motive der Gründung des Mädchen-Teams hin: Das Mädchen-Team von Hannover 96 im Leistungsbereich sei, so wird dort berichtet, eine Grundvoraussetzung dafür, dass das Frauen-Team von Hannover 96 – aktuell spielt das Team in der Oberliga – in die Regionalliga aufsteigen kann (§16). Zudem glaubt der Leser zu wissen, dass ein Bundesliga-Verein wie Hannover 96 vom DFB Fördermittel in Höhe von 15.000 Euro für jede Mannschaft in einer Leistungsklasse erhält. Das wäre, wäre die Information richtig, dreimal so viel, wie für die zusammengekaufte B-Mädchen-Mannschaft an Ablöse fällig wäre. Damit würde der DFB solche Retortenteams auch noch finanzieren. 

§ 16 der Durchführungsbestimmungen zur Frauen-Regionalliga Nord: Zur Teilnahme am Pflichtspielbetrieb der Frauen-Regionalliga Nord werden nur Vereine zugelassen, wenn sie mit mindestens einer weiteren 11er Frauenmannschaft (alternativ 11er A-Juniorinnen oder U19-Frauenmannschaft) und mindestens einer 11er B-Juniorinnenmannschaft am ordentlichen Spielbetrieb in ihrem Landesverband oder in der B-Juniorinnen Bundesliga teilnehmen.

Update 12. September, 15:00 Uhr: Inzwischen hat sich der Frauen-Trainer von Hannover 96, Sportfreund Lars Gänsicke, bei unserer Redaktion gemeldet. Er schildert die Angelegenheit aus seiner Sicht: Hannover 96 hatte bereits im Mai 2018 eine fristgerechte Bewerbung für eine neugegründete Mädchen-Mannschaft in der Niedersachsenliga eingereicht. Dabei regelte die Ausschreibung der Saison 2017/18 und nicht die aktuell beim Verband abrufbare Ausschreibung 2018/19 die Aufstiegsfrage. In der Saison 2017/18 mussten sich die Team schließlich bewerben. Sobald die neue Ausschreibung aber online gestellt wird, wird die alte Ausschreibung gelöscht. Deshalb kann Lars Gänsicke den Frust der anderen Vereine auch verstehen. Der zeitliche Ablauf zeigt aber, dass Hannover 96 nicht unrecht gehandelt hat. Im Frühjahr hat 96 den Entschluss gefasst, eine B-Mädchen-Mannschaft zu melden. Der Verband hat aber nach der fristgerechten Bewerbung gemeint, dass es nicht passen würde, weil es genügend Mädchen-Mannschaften für eine Niedersachsenliga geben würde, die auch bereits im Spielbetrieb teilgenommen hatten, während es für 96 das erste Mal wäre, dass sie eine solche Mannschaft melden würden. Hannover 96 akzeptierte daraufhin die Absage und richtete sich auf einen Start in der Bezirksliga ein. Dann passierte Folgendes: Am 13. Juni, zwei Tage vor Ende der Meldefrist, tauchte der Krusenbuscher SV mit der Meldung einer B-Mädchen-Niedersachsenliga-Mannschaft auf. Am 14. Juni hat Hannover 96 den NFV um Stellungnahme gebeten, warum der Krusenbuscher SV, der im Vorjahr nur einen C-Mädchen-Mannschaft und eine Frauen-Kreisliga-Mannschaft gemeldet hatte, das Startrecht für die B-Mädchen-Niedersachsenliga gehabt hätte, wenn Hannover 96 doch 14 Tage zuvor einen Ablehnung erhalten habe. Der NFV meinte daraufhin, es sei das besondere Erfolgskonstrukt des Verbandes, wenn er sehe, dass es eine talentierte und erfolgreiche C-Mädchen-Mannschaft gebe, dass dieser angeboten werde, in der B-Mädchen-Niedersachsenliga mitzuspielen. Grundsätzlich hielt Hannover 96 das für gut, es verstoße aber komplett gegen die Regularien, stelle also eine Ausnahme dar. Die Ausschreibung beziehe sich, so die Annahme von 96, nur auf B-Mädchen und nicht auf die gute Leistung der C-Mädchen. Das war auch der Grund, warum Hannover vor das Sportgericht ging: Es lag eine Ungleichbehandlung vor. Beide Mannschaften erfüllten nicht die Voraussetzungen, ein Team bekam jedoch das Startrecht. Bei der mündlichen Vorhandlung kam dann zudem heraus, dass am 27. Juni, also fast zwei Wochen nach dem Meldeschluss, eine völlig neue Ausschreibung herauskam, in der nun stand, die Sollzahl sei 10 Mannschaften, obwohl die Ausschreibung der letzten fünf Jahre immer 12 Mannschaften aufführte. Außerdem stand in der neuen Ausschreibung, dass die Bewerber als Voraussetzung für die Teilnahme an der Niedersachsenliga eine Jugendmannschaft – nun plötzlich unabhängig von der Altersklasse – im Spielbetrieb gehabt haben muss. Diese, geänderte Ausschreibung wurde aber erst 13 Tage nach dem Meldeschluss veröffentlicht. Also wurde praktisch die niegelnagelneue Ausschreibung so geändert, dass der Kruschenbuscher SV die Regeln plötzlich einhielt, Hannover 96 jedoch nach wie vor nicht. Die Urteilsbegründung, so viel sei vom Sportgericht durchgesickert, enthalte erstens den Punkt der Ungleichbehandlung der Vereine. Zweitens kann eine rechtliche Grundlage, auf die sich die Entscheidung des Verbandes (in diesem Fall die Ablehnung von 96 und die Zulassung von Krusenbusch) stützt, nicht zwei Wochen nach der Meldefrist geschaffen werden. Sie muss den Vereinen vorliegen, bevor die Frist abläuft. Insofern ist die Klage kein böser Wille, sondern nur Gerechtigkeit, meint Lars Gänsicke.

Alles zum MF Göttingen

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