Regionalliga Nord

Das Warten hat ein Ende

12. August 2021, 18:49 Uhr

Nun geht es wieder los: Nach einer Pause seit dem vergangenen Oktober startet die Regionalliga Nord am kommenden Wochenende - erneut mit zwei Staffeln - in die Saison 2021/2022. Nach dem Rückzug des VfL Wolfsburg II umfasst die Spielklasse nur noch 21 Teilnehmer, und so wird eine Mannschaft der Gruppe Nord jeweils spielfrei haben. Zum Start
pausiert der SC Weiche Flensburg.

Staffel Nord

VfB Lübeck – FC St. Pauli II (Fr., 18.30 Uhr)
Der Gastgeber tritt als Neuling aus der 3. Liga an und gilt damit für viele Experten als Meisterschaftskandidat. Sein Trainer macht da aber nicht mit. „Das kommt mir noch zu früh“, sagt Lukas Pfeiffer. Er möchte den VfB erst einmal in die Meisterrunde führen, also mindestens Platz fünf belegen. Die Bescheidenheit hat einen Hintergrund: Mit 26  Abgängen hat der Absteiger den größten Umbruch aller Regionalligisten zu verzeichnen. Die Fluktuation beim Gegner war ungleich kleiner und entsprach den üblichen Mechanismen eines Nachwuchsteams: Etwas ältere Spieler gingen nach zwei, drei Jahren in der Reserve und wurden durch ganz junge ersetzt. „Es geht in erster Linie um die Ausbildung unserer Talente“, sagt Trainer Joachim Philipkowski. Mal schauen, ob in Lübeck ein erster Schritt gelingt.

Eintracht Norderstedt – Phönix Lübeck (Fr., 19 Uhr)
Die Eintracht wird immer mal wieder genannt, wenn es um die aussichtsreichen Teams der kommenden Monate geht. Olufemi Smith – gemeinsam mit Jens Martens im Trainerteam – möchte die Saison aber Schritt für Schritt angehen und erst einmal die Meisterrunde erreichen: „Wenn uns das gelingt, können wir über neue Ziele nachdenken.“ In Phönix Lübeck ist eine Mannschaft zu Gast, der zuletzt eine ordentliche Aufstiegssaison gelungen war – oder das, was als solche gelten musste. Ob nach dem siebten Rang noch etwas mehr drin ist? Der Kader blieb jedenfalls weitgehend zusammen und wurde punktuell – auch durch entwicklungsfähige Talente – verstärkt. „Wir sind gut vorbereitet“,  verspricht Trainer Daniel Safadi.

Hamburger SV II – SpVgg Drochtersen/Assel (So., 13 Uhr)
„Eine große Anzahl von Vereinen will an der Meisterrunde teilnehmen, auch wir verfolgen neben der Ausbildung unserer Talente dieses sportliche Ziel“, sagt Pit Reimers, Trainer des HSV II. Die Ambitionen sind also vorhanden. Der Einzug in die Meisterrunde gäbe dem jungen, durch einige Talente ergänzten Team eben die Gewissheit: Es kann weiterhin in Ruhe gearbeitet werden. In Ruhe arbeitet man bei der SpVgg Drochtersen/Assel eigentlich seit vielen Jahren. „In der Meisterrunde wäre die Rückserie deutlich angenehmer“, sagt auch deren Trainer Lars Jagemann. Seine Zielsetzung ist deshalb nicht schwer zu erraten. In Hamburg starten also zwei Teams, die am Ende unter die ersten Fünf ihrer Staffel wollen.

Holstein Kiel II – Altona 93 (So., 14 Uhr)
Sebastian Gunkel spricht von einem „klaren Auftrag“ – das Ziel des Holstein-Coach besteht vorrangig darin, seine Spieler auf einen Einsatz im Profiteam vorzubereiten. Das bedeutet, man möchte in der Liga bleiben und nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Wie die anderen Nachwuchsteams wird vermutlich auch die neuformierte Elf der Kieler erst einmal in der Liga ankommen müssen. Der Gast verfügt dagegen über einige gestandene Spieler. „Aber wir haben unsere Mannschaft noch weiter verjüngt“, sagt Trainer Andreas Bergmann. Man müsse die Qualität im Kader selbst entwickeln, entsprechende Kicker seien dagegen nicht erschwinglich. „Unser Ziel ist es, mit viel Leidenschaft den Klassenverbleib zu schaffen“, so der Altonaer Coach.

FC Teutonia 05 Ottensen – Heider SV (So., 14 Uhr)
Vor einigen Monaten hatte der Gastgeber einen Lizenzantrag für die 3. Liga gestellt. „Nicht zufällig“, betont Liborio Mazzagatti, der Sportliche Leiter der Teutonia. Der Aufsteiger aus 2020 dürfte damit zu den ambitioniertesten Teams der Regionalliga Nord zählen. Aber auch Neutrainer Dietmar Hirsch weiß, dass es eine große Hürde auf dem Weg in die Spitzengruppe gibt: „Sportlich ist es unser Ziel, die Meisterrunde zu erreichen. Danach wird man dann sehen, wie weit es noch gehen kann.“ Ob der Heider SV zum Stolperstein werden kann, darf allerdings bezweifelt werden. Mit nur einem Sieg aus acht Partien hatte der Gast in der abgebrochenen Vorsaison knapp vor Altona den vorletzten Platz der Staffel belegt. „Unser Ziel ist es, unter Beweis zu stellen, dass wir uns noch weiter steigern und den Klassenverbleib erreichen
können“, sagt Sönke Beiroth. Der Trainer betont jedoch auch: „Wir werden die Saison genießen.“

Staffel Süd

VfB Oldenburg – SV Werder Bremen II (Fr., 18 Uhr)
Auch der VfB Oldenburg zählt zu den Teams, denen durchaus etwas zugetraut wird. Der Lizenzantrag zur 3. Liga ließ sich zudem als gutes Zeichen für die Ambitionen des Vereins werten. Aber auch Dario Fossi weiß: Vor einem möglichen Titelrennen steht eine erfolgreiche Qualifikationsrunde. „Wir wollen uns für die Meisterrunde qualifizieren und diese so gut wie möglich bestreiten“, sagt der VfB-Trainer. Während die Oldenburger mit einer gestandenen Mannschaft antreten, kommt ein einmal mehr verjüngter Talentschuppen aus Bremen. „Wir hatten in diesem Sommer einen großen Umbruch im Kader. Unser Fokus liegt daher darauf, unsere jungen Spieler weiterzuentwickeln und möglichst schnell an den Herrenfußball heranzuführen“, sagt Werder-Coach Konrad Fünfstück. Es läuft wohl auf ein Duell Alt gegen Jung heraus.


BSV Rehden – HSC Hannover (Fr., 19 Uhr)
Der BSV spielte eine gute Rolle in der abgebrochenen Saison. „Wir wurden in unserer Gruppe sensationell Dritter, und das würden wir gerne wiederholen“, sagt Trainer Andreas Golombek. Es sei allerdings schwierig, seine derzeit ersatzgeschwächte Mannschaft „nach der langen Pause einzuschätzen“. Die Gäste kommen dagegen mit einer klaren Ausrichtung: Der Vorletzte der abgebrochenen Saison bemüht sich um den Klassenerhalt. Trainer Martin Polomka hat auch schon eine Idee, wie das gelingen könnte: „Im Idealfall mit einer Platzierung unter den besten fünf Teams der Süd-Gruppe.“

SSV Jeddeloh – Hannover 96 II (Sa., 15 Uhr)
Es lief gar nicht so schlecht im letzten Jahr: Als Sechster hatte sich der SSV auf der Schwelle zur Meisterrunde befunden, ehe die lange Pause begann. Eine ähnliche Rolle sieht Oliver Reck nun erneut für seine Mannschaft vor. „Wir wollen den anderen Teams ein wenig auf die Füße treten und für Überraschungen sorgen“, sagt der Jeddeloher Trainer. Es würde jedenfalls nicht überraschen, sollte der SSV zu jenen Teams zählen, die sich frühzeitig vor dem Abstieg retten.
Das gilt auch für den Gast aus Hannover, dem Fünften des Vorjahres. Allerdings geht es Trainer Christoph Dabrowski nicht in erster Linie um den sportlichen Erfolg: „Unser Ziel ist es, jungen Spielern Spielpraxis zu ermöglichen und sie kontinuierlich weiterzuentwickeln. Da ist die Tabellenplatzierung zweitrangig.“

Atlas Delmenhorst – FC Oberneuland (Sa., 16 Uhr)
Das Derby zum Start – besser hätte es wohl nicht kommen können. Dabei ist die Ausgangslage der beiden Teams durchaus vergleichbar. „Bei uns liegt der Fokus ganz klar auf dem Klassenverbleib, auf welchem Weg uns das gelingen kann, wird man dann sehen“, sagt Atlas-Coach Key Riebau. Sein Bremer Kollege Kristian Arambasic bezeichnet den FC Oberneuland sogar als „gallisches Dorf“. Die anderen Teams – also auch der SV Atlas - hätten durchweg bessere Möglichkeiten. Wer also gegen den FCO verliere, müsse sich danach „hinterfragen“. Das mit dem Understatement hat im letzten Jahr bereits gut funktioniert. Damals wusste Oberneuland, auch dank eines 1:0 gegen den Mitaufsteiger aus Delmenhorst, mit dem siebten Rang zu überraschen.

Lüneburger SK Hansa – VfV Borussia 06 Hildesheim (So., 15 Uhr)
Für den Sportlichen Leiter des LSK liegt das Saisonziel auf der Hand. „Für uns wäre der Klassenverbleib eine tolle Sache“, sagt Rainer Zobel. Die Ambitionen sind überschaubar. Aber hinter den Lüneburgern liegen auch einige wesentliche Abgänge, und diese konnten zumindest quantitativ noch nicht ersetzt werden. Beim VfV06 heuerte dagegen ein rundes Dutzend Zugänge an. Der Gast scheint sich kontinuierlich zu entwickeln und dürfte nach dem Aufstieg im letzten Jahr bereits angekommen sein. Neutrainer Markus Unger weiß gleichwohl, worum es in den kommenden Monaten gehen wird: „Wir wollen möglichst nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Nach dem Saisonstart werden wir uns vielleicht weitere Ziele setzen.“

(Text: Stefan Freye)

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