09.01.2019

Das Aus nach dem Double-Gewinn

1. Kreisklasse Süd: Gemutmaßtes Ende des HNK Göttingen nun Gewissheit

Sören Karkossa

Ähnlich konträr zu den Äußerungen von Ivo Vujovic sieht auch Sören Karkossa die Entwicklungen im Verein. Vor dem Wechsel von der SVG-Reserve zu HNK gab es ein Treffen zwischen den HNK-Verantwortlichen, dem neuen Trainer Masic und einigen Führungsspielern. Dort ging es vor allem um Geld. „Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich kein Geld in der 2. Kreisklasse möchte.“, erzählt der Stürmer. Er gehörte nach eigenen Angaben damit allerdings nicht zur Mehrheit im Verein. Schon nach dem Double-Sieg im vergangenen Sommer und den anschließenden Feiern stand der Abschied des Erfolgstrainers Masic im Raum.
Für Sören stand fest: In der 1. Kreisklasse herrscht ein anderes Niveau, mit der bisherigen Einstellung würde das Team dort nicht mehr von Erfolg zu Erfolg eilen. Außerdem müsse es Neuzugänge geben, denn mit dem dünnen Kader würde die Mannschaft schnell an ihre Grenzen stoßen. Ivo Vujevic versicherte, sich darum zu kümmern. Das erste Training der neuen Spielzeit habe Sören geplant und auch geleitet. Zuerst sei Michael Markov als Trainer im Gespräch gewesen, dieser habe aber abgelehnt. Somit wurde schließlich Drago Vukovic als Coach verpflichtet. Die ersten Einheiten stimmten Sören optimistisch, zwischen 15 bis 20 Spieler waren anwesend. „Ja, das könnte etwas werden!“, war sich Sören sicher. Die Änderungen in der Organisation hatte die Vereinsführung zugesagt. Neue Trainingsanzüge sollten folgen, neue Trikots wurden in Aussicht gestellt. Für ihn, in der Rolle als Verantwortlicher, sollte das Team vernünftig auftreten.
Doch mit der Zeit hatte sich all das, was Ivo zugesagt hätte, verflüchtigt. Nur ein Neuzugang und fünf Flüchtlinge, die noch nicht einmal spielberichtigt waren, sollten das Team eine Klasse höher verstärken. Sören verrät im Gespräch mit Gökick, dass einige der Flüchtlinge sogar ohne Spielerlaubnis in Punktspielen aufgelaufen wären. Die Personalprobleme setzten sich fort. Der 57-jährige Drago Vukovic musste, als Matze Papierok eine Rot-Sperre absaß, zwischen die Pfosten des HNK-Tores. Die Organisation wurde immer miserabler. Das Trainingsequipment konnte in Ermangelung eines Schlüssels nicht im Maschpark untergebracht werden. Sören, als Polizist ohnehin mit wenig Zeit ausgestattet, musste so vor dem Training noch nach Holtensen fahren oder einen Transport organisieren. Immer wieder wurde er vertröstet, geändert hatte sich nichts. Die Trainingsanzüge, die im Katalog schon ausgesucht waren, sollten nur eine schöne Illusion bleiben. Dann lief das Fass über: Bei einer Trainingseinheit waren lediglich ein verletzter und ein gesperrter Spieler sowie Trainerkollege Drago Vukovic anwesend. Anfangs hatten sich die Spieler noch per WhatsApp abgemeldet, nun hielten diese es nicht mehr für nötig. Hilfe vom Vorstand: Fehlanzeige. All das hatte sich in den Anfangswochen der Saison angehäuft und dazu geführt, dass Sören das Handtuch warf. Solange sich nicht etwas ändern sollte, wolle er nicht mehr spielen. Zufälligerweise fiel seine Demission genau in den Zeitpunkt, als Ivo Vujevic seine Dienstleistung für Sören abgeschlossen hatte. „Das muss man aber strikt trennen. Das eine ist das Sportliche, das andere ist privat!“, meint er. Er hätte nie eine Versprechung abgegeben, sich aufgrund einer Preisreduzierung langfristig an den Verein zu binden. „Ivo und Steffi (seine Frau) sind mir sehr ans Herz gewachsen. Wir haben uns immer sehr gut verstanden. Deshalb tut es mir sehr leid für den Verein und die Freunde dort. Doch ich fühle mich als sportlich Verantwortlicher im Stich gelassen und bin entsprechend enttäuscht.“, begründet er sein Aus beim HNK. Anteile an der Fahrkarte hätte der Verein übrigens an seinen Bruder Niklas bezahlt, weil dieser sich damals noch in der Ausbildung befunden hätte – da hätte sich Ivo sicher nur geirrt.

Der Vorsitzende des Spielausschusses, Klaus Henkel, bestätigte gegenüber Gökick, dass ein Rückzugsgesuch des HNK vom Spielausschuss mit hoher Wahrscheinlichkeit abgelehnt wird. Der Grundsatz, dass immer die am tiefsten spielende Mannschaft eines Vereins zurückgezogen werden muss, werde Basis des Beschlusses sein. Das soll verhindern, dass alle festen Spieler plötzlich für die zweite oder dritte Mannschaft eingesetzt werden können. Die Lösung: Nach drei nicht angetretenen Spielen in einer Halbserie wird das Team automatisch aus dem Spielbetrieb gelöscht. Da die Rückrunde aber erst am 17. März startet, könnte sich der HNK erst am 1. April aus dem Spielbetrieb verabschieden, nachdem das Team – dass es nach einem Abmeldesturm schon nicht mehr gibt - dreimal nicht angetreten ist und dreimal die Strafe dafür bezahlen muss.

Somit ist also erneut ein hoffnungsvoll gestartetes Projekt in unserer Region gescheitert. Zurück bleiben enttäuschte Sportler, Fans und Funktionäre, die viel Engagement, Zeit, Nerven und teilweise auch Geld in diesen Verein gesteckt haben und gleichzeitig dazu beitrugen, ihn auch zu begraben.

Alles zum HNK Göttingen

Dich interessiert diese Liga? Dann hinterlass deine emotionale Bewertung bei Facebook!

< Vorherige Seite Seite 1 / 2 / 3

Kommentieren

Vermarktung:

Mehr zum Thema