09.01.2019

Das Aus nach dem Double-Gewinn

1. Kreisklasse Süd: Gemutmaßtes Ende des HNK Göttingen nun Gewissheit

Ivo Vujevic

Was feierten die Spieler, Funktionäre und Fans des Hrvatski nogometni klub (HNK) Göttingen am 16. Juni des gerade zu Ende gegangenen Jahres: Soeben hatten sie auf dem Giebolderhäuser Sportplatz nach dem 3:1-Sieg über die U23 des TuSpo Weser Gimte den Krombacher Kreispokal für Teams der 2. und 3. Kreisklasse gewonnen. Damit gelang dem erst 2015 gegründeten Verein nach der Meisterschaft in der 2. Kreisklasse Mitte das seltene Kunststück des Double-Gewinns. Als Aufsteiger meldete der Verein zu Beginn der laufenden Spielzeit sogar drei Mannschaften. Doch heute, nach knapp dreieinhalb Jahren Existenz, ist der Verein schon fast Geschichte. Nachdem die zweite Mannschaft in einer SG mit GW Hagenberg den Spielbetrieb gar nicht erst aufnahm, wird die erste Mannschaft in dieser Saison nicht mehr auflaufen.

Wie konnte es so weit kommen? Gökick sprach mit dem 1. Vorsitzenden und Mäzen des Vereins, Ivo Vujevic, einem Göttinger Bauunternehmer, über die Gründe. Eigentlich, so berichtet er, hätten in der Winterpause vier höherklassige Spieler ihre Bereitschaft erklärt, in der Rückserie die angespannte Personalsituation des HNK zu beenden. Doch dann kam alles anders. Die Misere, so führte er aus, hätte schon mit der Demission von Double-Trainer Kenan Masic begonnen. Vujevic wollte, um die Trainingsbeteiligung und Trainermotivation zu erhöhen, das überdurchschnittliche Trainergehalt an Masic nur noch in monatlichen Beträgen auszahlen. In den ersten zwei Jahren seiner Tätigkeit war dem Coach die Gesamtsumme immer einmalig zu Saisonbeginn ausgezahlt worden. Trotz Zusage war Masic dann zur ersten Trainingseinheit nicht erschienen und hätte somit sein Engagement unkonventionell beendet. So musste der Verein improvisieren. Sören Karkossa, Torjäger und Führungsspieler des Teams, sollte das Training leiten und den neuen Trainer Drago Vukovic bei der Teameinstellung in den Punktspielen unterstützen. Doch Sören Karkossa teilte dem 1. Vorsitzenden wenig später mit, dass er nicht mehr für HNK spielen werde. „Das war für mich menschlich die größte Enttäuschung und der Hauptgrund, warum ich jetzt hinschmeiße!“, blickt Vujevic zurück. Karkossa hätte ihm zugesagt, weitere drei Jahre bei HNK bleiben zu wollen, wenn ihm Vujevic einen Sonderpreis für seine Dienstleistungen einräumen werde. Doch kaum sei die Arbeit, die Ivo Vujevic nach seinen Aussagen für einen Bruchteil seines Wertes erledigt hätte, beendet gewesen, hätte sich Karkossa abgemeldet und den Verein im Stich gelassen. Und das, obwohl der Verein dem Spieler sogar die Kosten für die Anreise von einem Lehrgang anteilig bezahlt hätte. Der Abschied Karkossas hätte eine Sog-Wirkung ausgelöst. Spieler, die ihr Bleiben zugesagt hätten, hätten sich plötzlich abgemeldet – als Beispiel nennt er Sörens Bruder Niklas. So hätten auch die potenziellen Neuzugänge ihre Zusagen zurückgezogen. Andere hätten versucht, den Mäzen Vujevic nach dessen Aussagen gegenüber Gökick, zu erpressen. Hier nennt er vor allem Matthias Papierok, den einzigen Torwart des Teams. Dieser hätte vom Mäzen einen Privatkredit von 820 Euro erhalten und wolle heute nichts mehr davon wissen. Dann, zum Ende der Hinrunde, hätte Papierok erklärt, er würde nur noch weiterspielen, wenn er 2000 Euro erhielte. Er hätte also die Notlage des Vereins ausgenutzt. All das führte gegen Ende der Hinrunde dazu, dass das Team in zwei Spielen nicht antreten konnte. „Wäre die Mannschaft zusammen geblieben, hätten wir sogar um die Meisterschaft spielen können.“, ist sich Vujevic sicher. Doch nun sei er platt, enttäuscht und desillusioniert. Er hätte in den letzten drei Jahren in den Verein und den Ausbau des neuen Vereinshauses 70.000 Euro aus eigener Tasche investiert. Sogar seine Ehe hätte im Zuge der Entwicklung auf der Kippe gestanden, verrät er. In Zukunft werde er sein Geld sinnvoller anlegen. Auf die Frage, warum er Spieler für deren Hobby in der 2. Kreisklasse bezahlt hätte, antwortet der Mäzen, dass das in der Spielklasse so üblich sei und er ansonsten keine neuen Spieler hätte verpflichten können. Auf den in einem Gökick-Beitrag aus dem Oktober geäußerten Vorwurf von Sören Karkossa, Versprechungen des Vereins seien nicht eingehalten worden, meinte der 1. Vorsitzende, dass lediglich die zugesagten Trainingsanzüge, die eine Leiharbeitsfirma sponsern wollte, nicht angeschafft worden seien. Da hätte er sich auf das Wort des vermeintlichen Sponsors verlassen, was sich als Fehler herausgestellt hätte.
Bis zum Ende der Saison solle die dritte Mannschaft als Spielgemeinschaft mit Hagenberg in der 4. Kreisklasse weiter kicken. Doch er glaube nicht, dass HNK über den Sommer 2019 hinaus noch Sport anböte. Alle Spieler außer Matthias Papierok hätten die Freigabe erhalten.


Lest weiter, was Matthias Papierok und Sören Karkossa zu den Vorwürfen äußern!

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